Geschichte

Kapitel II: Die Band

Eines Novemberabends `86 kam ich also vom Bund nach Hause auf den Friedhof in Barmstedt (hatte ich erwähnt, dass mein Vater Friedhofsverwalter war und ich die ersten 23 Jahre meines Lebens ebendort zubrachte?), wo mein Kumpel Joe Thol auf mich wartete. Joe hatte eine Snaredrum und konnte den Takt halten, er war also für einen Test der richtige Mann.

Dann kam Tex Willer, der bei seiner Band, den “Nightmare Rockers” als Rhythmusgitarrist nicht so recht zum Zuge kam. Tex und ich kannten uns schon viele Jahre und hatten so manchen Humpen miteinander gelehrt, aber richtig zusammengespielt hatten wir nie. Ich war in der ersten Zeit immer mit Leuten zufrieden gewesen, die spielten, was ich ihnen sagte. Willer war da ein anderes Kaliber, denn von den RocknRollern aus Elmshorn, die selber Musik machten, war er der Einzige, der mir in Bezug auf Ehrlichkeit und Biss das Wasser reichen konnte.

Wir unterschieden uns aber in den “Leitmotiven”. Meine war “Beknackt, immer zu laut und immer zu lustig”, seines “Kein Wort zuviel und keine falsche Bewegung”. Da stand jemand vor mir, mit dem man sich abzufinden hatte, wie er war. Ihm wird es mit mir genauso gegangen sein.

Da wir kein anderes Stück aus dem Hut zaubern konnten, begannen wir die Session in der guten Stube meiner Eltern mit “Good Rockin tonight”. Sicher, ich spielte keinen besonderen Bass, Thols Trommel war bestenfalls trostlos und Willers Gitarre ein wenig eintönig, aber als wir den Song fertig hatten, fühlten wir etwas vibrierendes, das ich jedem Musiker wenigstens einmal wünschen möchte. DAS wars. SO sollte die Mucke klingen. Was ich alleine nicht zustande gebracht hatte, weil mir der richtige Widerpart fehlte, gelang nun aus dem Stand.

Andreas Dalecki war der dritte Mann im Bunde. Offiziell war er die ganze Zeit der Trommler der Mafia geblieben, und die nächsten Sessions, bei denen er Thol dann ersetzte, glichen Expeditionen. Wie ein Junge mit seinem ersten richtigen Klappmesser spielt, übten wir uns in dem Stil, der für die ersten Jahre unsere Platten dominieren sollte und die Deteminanten für alles folgende legte. Die besondere Rolle des Drummers erörtere ich weiter unten.

Die Band, das Trio, die Kapelle war fertig, was fehlte war eine wirklich gute Mischung der Aufnahmen. Das Jahr 1987 machte uns lokal immer bekannter, wir spielten in der Markthalle, in der Fabrik (beides HH), ja es verschlug uns sogar ins katholische Münster, wo wir im Herbst als Vorgruppe der “Keytones” unser noch sehr karges Repertoire darbieten durften. Aber es wurden immer mehr Stücke, und es waren lauter eigene.

Im Januar 1988, ich hatte meine Bundeswehrzeit gerade beendet, Willer war noch Zivi, hatten wir 12 Stücke für eine kurze LP, “The Streets of Elmshorn”, zusammen, und wir nahmen sie in Prisdorf bei Pinneberg auf. Zwei wichtige und gute Männer traten in unser Leben, Brüder. Der eine, Carol von Rautenkranz, hielt sich beim Mischen der Scheibe etwas im Hintergrund, er arbeitete mehr mit Presse und Booking. Die Früchte seiner vielen Jahre mit vielen Bands kann er heute zum Glück wenigstens im kleinen Rahmen ernten, denn sein Label, L`Age d`Or (ich kann es immer noch nicht schreiben), das damals gerade in den Kinderschuhen steckte, ist heute die Cohiba unter der Indies der Hamburger Schule, und er selber genießt geradezu den Ruf eines Nestors der Independent-Szene.

Der uns betreuende Musikverlag läuft heute noch über diese Schiene. Der andere, Chris von Rautenkranz, blieb über viele der folgenden Jahre unser Mixer für Bühne und Studio. Er betreibt heute das Soundgarden-Tonstudio in Hamburg, ein wirklich gute Laden. Chris hat uns in sehr mühevoller Kleinarbeit den Sound gegeben, der in der folgenden Zeit eines unserer Markezeichen werden sollte. Wir experimentierten bei jeder Platte mit ein paar wenigen neuen Sachen, ohne dabei etwas grundsätzlich anderes zu machen. Die Änderungen waren vorsichtig.


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